Das Training hat sich ausgezahlt

Marvin Eck überwindet mit spielerischer Leichtigkeit den Wasserwiderstand, gleitet geräuschlos durchs Becken. Dabei hat er 2014 mächtig Wellen geschlagen und ist eine der großen Thüringer Schwimmerhoffnungen.

Von Thomas Heigl - FW Meininger Tageblatt

marvin 2014Schmalkalden - Die beiden Studenten sind einfach mal so hinterhergeschwommen. Nun sind sie fasziniert. "German Swimmingmachine", staunt der junge Türke, "Still young, but great!" Was für ihn ein brutal harter Sprint war, ist für den 14-Jährigen Marvin Eck, der im September Geburtstag feiert, ein total entspanntes Training.
Echte Härte sieht für den Schmalkalder anders aus. "Die hatten wir im Trainingslager von Caorle in Italien", erzählt der blonde Bursche und lacht. "Danach waren wir ganz schön geschafft, wollten nur nach Hause." Caorle war Ende Mai, drei Wochen vor den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) in Berlin. Zweimal zwei Stunden am Tag haben die Nachwuchsschwimmer unter Italiens Himmel trainiert, 107 Kilometer in einer guten Woche. Und den Zuhörern weicht die Farbe aus den gebräunten Gesichtern, als er ins Detail geht. "Wir sind 70 Mal Hundert Meter in verschiedenen Stilarten hintereinander geschwommen", berichtet er. "Alle eins dreißig oder eins fünfundvierzig ein Start, Schwimmzeiten und Pausen zusammengerechnet."
Die Einheiten haben sich ausgezahlt, denn bei den DJM in Berlin hat sich Marvin, in der AK 15 für die Wasserfreunde Meiningen startend, sehr wacker geschlagen. Über fünf Strecken war er startberechtigt, zählte also zu den 30 Besten seines Jahrgangs, was angesichts der Konkurrenz gar nicht so einfach ist. "Über die Lagenstrecken hätte es besser laufen können. Die Form war gut, jedoch nicht top. Aber über die 100 und noch mehr über die 200 Meter Brust war ich zufrieden", sagt Marvin, der hier auch das Finale erreichte. Aktuell ist er über die drei Bruststrecken und die 400 Meter Lagen unter den besten 25 seiner Altersklasse zu finden. Auch über die 200 Meter Schmetterling liegt er in der erweiterten Spitzengruppe, dank einem starken Rennen im Juli. "Ich mag alles, bin aber vor allem Brustschwimmer", betont Marvin. Das bekommt der Fotograf zu spüren, der ihn eigentlich an der 25-Meter-Marke des Schmalkalder Freibades abpassen will. Doch beide kommen dort zeitgleich an. Dann wetzt der Reporter los, kniet sich am Beckenrand hin und drückt auf den Auslöser, bevor der Schwimmer an ihm vorbei schießt. 14 Armbewegungen auf 50 Meter; der Bursche hat einen starken Zug. Vorher ist er schon in Rückenlage und Brustlage gekrault, hat die zuschauende Schwimmergemeinde mit ein paar schnellen Schmetterlingssprints verzückt. Ebenso, als er den Beinschlag schult: Die Füße wirbeln wie Propeller, ein Schnellboot mit Außenbordmotor. Hinzu kommen ganz spezielle Übungen; auch mit den Füßen nach vorne zu schwimmen gehört zum guten Stil. Schubumkehr sozusagen, die kann längst nicht jeder.
Und die Wasserratte geht auch gerne an Land. Rund drei Kilometer absolviert er derzeit im Freibad Schmalkalden täglich. "Ich jogge auch gerne durchs lange Tal nach Schmalkalden, im Ehrental oder um den Kohlberg", verrät der Ausdauersportler, durchaus auch ein Kraftpaket. 22 Klimmzüge schafft auch nicht jeder.
Nicht nur Schwimmen
Am Leistungszentrum Erfurt dreht sich nicht alles ums Schwimmen. Im normalen Sportunterricht tauchen die Gymnasiasten in die Vielseitigkeit der Welt des Sports ein, schöpfen Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer und Koordination auch aus anderen Quellen. Gewichte werden gestemmt, es wird geturnt und gekämpft. Ein anderer Gymnasiast, Teilnehmer an den deutschen Schwimmmeisterschaften, sei ein prima Judoka gewesen, erzählt Marvin. Doch die meiste Zeit des Trainings wird natürlich im Wasser verbracht. Zweimal am Tag wird unter der Woche trainiert, jeweils eineinhalb Stunden. "Zwischen neun und zehn Kilometern am Tag, gut 2000 Kilometer im Jahr", erklärt Marvin, der an den Wochenenden nach Hause kommt, sofern nichts anderes anliegt. Doch die Ausnahme scheint eher die Regel. 2014 hat der Landeskader-Athlet schon zehn Wettkämpfe absolviert, hörte 67 Mal das Startzeichen ertönen. Und dann gibt es noch sechs, sieben Trainingslager. In den Herbstferien wird geschwommen, in den Frühjahrsferien auch. In den Winterferien geht es an den Fichtelberg zum Skilaufen. Ferienzeit ist Trainingszeit und Schwimmmeister werden im Herbst, Winter und im Frühjahr gemacht.
Auch wenn der sportliche Ehrgeiz groß ist - der schulische Leistungsaufbau ist genauso wichtig. Hier wird der Startblock fürs Leben gebaut. Marvin hält Kurs, steuert langfristig ein gutes Zweierabitur an. "Ich habe da noch Potenzial", sagt er. Das gilt auch fürs körperliche Wachstum. Marvin ist mit seinen 1,79 Metern und 68 Kilogramm zwar ein großer und kräftiger, aber längst nicht ausgereifter Athlet. Gegen einige Hünen aus seiner Altersklasse oder der darunter, die schon an die zwei Meter heran ragen, 80 Kilogramm wiegen, ist er eher schmächtig. Auch wenn der Schmalkalder noch nicht in der Elite angekommen ist, schwimmt er zumindest an den Fußenden der Besten. Er erreicht vor allem im Lagenschwimmen und Brustschwimmen Tabellenpunkte, die hohes Leistungsniveau in einem Landesverband und Anschluss an das nationale Spitzenniveau bescheinigen.
Aber es geht ihm nicht nur um Punkte und Zeiten, auch wenn er gerne den Thüringer Altersklassenrekord über 200 Meter Brust gebrochen hätte. "Schwimmen macht mir großen Spaß", betont Marvin. Ein paar freie Tage bleiben noch. Wenn die anderen die Ferien ausklingen lassen, ist er wieder in seinem Element - dem flüssigen. In der letzten Augustwoche geht es nach Usedom ins Trainingslager. Schwimmen in der Ostsee, auch viele Übungseinheiten auf dem Trockenen. Den richtigen Griff fürs Wasser finden, der in trainingsfreien Phasen durchaus etwas verloren geht. Herantasten an neue Herausforderungen, auf zu neuen Ufern. Und im September beginnt die Kurzbahnsaison.